Hausärztliche Versorgung in Buchbach

Hausärztliche Versorgung - von der "Ärzteschwemme" zur "Praxisabgabeschwemme"

Um das aktuelle Problem der Schwierigkeit bei der Besetzung von Hausarztpraxen zu verstehen lohnt sich ein Blick in die Zeit zwischen 1982 und 2002, als die Arbeitsmarktsituation von Medizinern in Deutschland äußerst ungünstig war. Aufgrund einer damals zunehmenden Zahl von approbierten Medizinern gegenüber einer nicht angemessenen Anzahl von zu besetzenden Stellen im medizinischen Bereich tauchte der Begriff der „Ärzteschwemme“ auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Medizinstudent aus dem Jahr 1990 einen Arbeitsplatz fand lag bei nur 50 %. Auf der Suche nach einer Beschäftigung gründeten viele dieser Ärzte Praxisgemeinschaften um sich als Allgemeinarzt niederzulassen. Auch das bisherige hervorragende Angebot der hausärztlichen Versorgung mit vier niedergelassenen Ärzten in Buchbach entstammt der Zeit nach 1982. Diese hatten statistisch gesehen jeweils 775 Einwohner zu versorgen. Zum Vergleich: Vom Gesetzgeber wurde ein Verhältnis von einem Hausarzt für 1.671 Einwohner festgelegt.

Heute, 30 – 40 Jahre später, gehen viele dieser Ärzte in Ruhestand und erzeugen damit zwangsläufig eine „Praxisabgeberschwemme“. Dazu kommt, dass in den nächsten Jahren deutschlandweit fast 10.000 ausgebildete Allgemeinärzte fehlen werden. Im Gegensatz zu 1990 können sich die Ärzte heute aussuchen, wie und wo sie praktizieren wollen, wodurch es vor allem bei ländlichen Kommunen um einen gnadenlosen Wettbewerb um Allgemeinärzte kommt.

Für den Markt Buchbach gilt, sich in dem „Wettbewerb“ zu positionieren und zu versuchen mit einem schlüssigen Gesamtkonzept Ärzte in der Gemeinde zu halten bzw. zu holen.

 

Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Buchbach

Der Marktgemeinderat Buchbach beschäftigt sich seit mehreren Jahren (seit Oktober 2018 in mehreren Sitzungen und Treffen intensiv und ausführlich) mit der Thematik der Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Buchbach beschäftigt.

Alle Mitglieder des Marktgemeinderates sind sich der Notwendigkeit bzw. der großen Bedeutung einer Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Buchbach bewusst. Alle bisher gefassten Beschlüsse erfolgten einstimmig.

Als ein Baustein wurde dabei auch ein Angebot an geeigneten Praxisräumen identifiziert. Der Markt Buchbach hat daher bereits 2012 ein Grundstück in der Wagnergasse sowie 2015 ein daran angrenzendes Grundstücke in der Dorfener Straße erworben und die darauf befindlichen Gebäude abreißen lassen. Eine zielgerichtete Bebauung scheiterte bislang allerdings an geeigneten Interessenten einer Nutzung von Praxisräumen – es fehlten einfach die Ärzte welche diese Räume nutzen wollten.

Aus diesem Grund sowie der Komplexität und der großen Bedeutung für den Markt Buchbach hat sich der Marktgemeinderat mittlerweile für die Inanspruchnahme einer unabhängigen, fachlich versierten externen Beratung und Begleitung bei der Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes sowie bei der Akquirieren von Allgemeinärzten ausgesprochen und dazu ein geeignetes Fachbüro beauftragt.

Zur Klärung der tatsächlichen Gegebenheiten und Planungen werden nun Gespräche mit allen Beteiligten aus Buchbach und Schwindegg sowie der MVZ gGmbH Mühldorf stattfinden. Zusätzlich werden unternehmerisch tätige Hausärzte im weiteren Umkreis und somit auch in den Landkreisen Erding und Landshut eingebunden. Dabei sollen bis zum 26. März mögliche Modelle herausgearbeitet und mit Chancen und Risiken klassifiziert dem Marktgemeinderat zur Entscheidung über das weitere Vorgehen vorgelegt werden.

Darüber hinaus wurde das Büro auch damit beauftragt den Markt Buchbach bzw. die örtlichen Ärzte bei der Gewinnung von Nachwuchsärzten/-ärztinnen zu unterstützen.

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